Ein neuer Silberling
Der neue Zayo A600 gefällt durch sein Metallgehäuse
und seine minimalen Abmessungen. Ob und welche weiteren Vorteile der
neue Pocket-PC hat, klärt unser Test.
Der "Zayo A600" ist ein praktisch hundertprozentiger Bruder
des Asus A600, der allerdings bis heute nicht in einer deutschen Version
lieferbar ist. Die Verwandtschaft geht sogar soweit, dass nach dem
Einschalten ein paar Sekunden lang eine Asus-Werbebotschaft auf dem
Minibildschirm steht. Nach Angaben des deutschen Vertriebs, der Zayotech
GmbH, hat das ganz einfache Gründe: Zayo hatte den Rechner entwickelt
und Asus würde ihn herstellen. Anfänglich versicherte uns
Zayo sogar, dass der Rechner hierzulande ausschließlich von
Zayo vertrieben würde, wurde mittlerweile aber eines besseren
belehrt.
Das Metallgehäuse besteht zwar nur aus dünnem Blech, dieses
wurde aber mit Kunststoff verstrebt und steht daher in der Robustheit
anderen Geräten in nichts nach. Im Gegenteil, die Blechhaut macht
das Gerät weitgehend kratzfest, so dass man mit einem solchen
Gehäuse sicher länger seine Freunde hat, als mit einem billigen
Kunststoffteil.
Der Rechner misst an seiner längsten Stelle 125 mm, die maximale
Breit beträgt 75 mm. Das Gehäuse ist unterhalb des Displays
zwischen den Schaltern 13,2 mm dick. Mit Eingabestift, aber ohne ein
Schutzetui beträgt das Lebendgewicht 135 Gramm.
Die aktive Bildschirmfläche ist 71,5 mm hoch und 54 mm breit,
die Auflösung beträgt 320 mal 240 Pixel. Beim Display fiel
uns auf, dass Farben blasser gezeigt werden als beispielsweise auf
einem Dell Axim, vom Spitzenreiter iPaq gar nicht zu sprechen; Farben
erscheinen auf dem Zayo weniger kräftig. Fehlt der direkte Vergleich,
fällt das überhaupt nicht auf.
Die vier obligatorischen Schnellstarttasten befinden sich unterhalt
des Bildschirms, zwei links von Vier-Wege-Schalter und zwei rechts
davon. Unter dem Vier-Wege-Schalter sitzt der Monolautsprecher, dessen
Qualität für einen Pocket-PC durchaus okay ist. An der linken
Gehäuseseite befinden sich der Taster für die Aufnahmefunktion
und der Einschalter. Dazwischen liegt die Auf-Ab-Eingabe-Wippe. Links
vom Display liegen auch zwei Leuchtdioden, von denen eine den Ladezustand
signalisiert. Mehrere Millimeter versenkt ist der Reset-Taster. Mit
dem Eingabestift kann man ihn aber sehr gut erreichen - wenn man ihn
denn braucht.
Der Eingabestift ist 105 mm lang und aus schwarzem Kunststoff gefertigt.
Er dürfte recht preislich herzustellen sein, was sich natürlich
positiv auf den Preis von Ersatzstiften auswirken dürfte. Er
liegt gut in der Hand und man kann ihn gut aus dem Rechner ziehen.
An der Oberseite befinden eine Infrarotschnittstelle, das Mikrofon
und der Kopfhöreranschluss. Den meisten Platz an der Oberseite
nimmt aber der Steckplatz für SD-MMC-Steckplatz ist nicht I/O-fähig
sondern unterstützt nur Speicherkarten - das hat er aber mit
den meisten Konkurrenten gemeinsam. Für andere Karten bietet
der Hersteller für 189 Euro ein Compac-Flash-Jacket an, das auch
einen zweiten Akku enthält. An der Unterseite befinden sich der
Stromanschluss und eine Anschlussleiste für Hardwareerweiterungen,
die höchstens zum Asus kompatibel sind.
Das USB-Cradle ist hervorragend verarbeitet und macht mit seiner Chromleiste
einen sehr eleganten Eindruck. Das USB-Kabel ist mit einem Meter Länge
vielleicht etwas knapp bemessen. Was uns sehr gut gefallen hat ist
das Steckdosennetzteil. Dieses verarbeitet standardmäßig
alle Steckdosenspannungen zwischen 100 und 200 Volt bei 50 bis 60
Herz und passt sogar ohne Adapter in US-Steckdosen. Etwas vergleichbares
kennt man von den frühen Motorola-Handys. Im Prinzip handelt
es sich um einen zusammenklappbaren US-Stecker, den man je nach Verkaufsort
mit einem länderspezifischen Adapter versehen kann.
Innereien
Der Zayo A600 ist mit einem 64 Mbyte Arbeitsspeicher ausgestattet.
Das Flash-ROM ist 32 Mbyte groß. Nachträgliche Updates
des Betriebssystems wären also theoretisch möglich, so Microsoft
und Zayo dies unterstützen. Der Hauptprozessor vom Typ Intel
Xscale PXA 250 entspricht dem Standard und ist mit 400 MHz getaktet.
Wie die Prozessoren in normalen PCs können auch diese Intel-Chips
mit unterschiedlichen Taktfrequenzen betrieben werden. Im Zayo gibt
es deswegen den Turbo-Modus mit vermutlich 400 MHz, den Standard-Modus
mit 200 MHz und den Stromspar-Modus mit 100 MHz. Diese wählen
Sie über ein Voreinstellungsfeld, das hier sogar "Asus Einstellungen"
heißt. Als vierten Punkt gibt es auch einen "Automatik-Modus",
der den Rechner normalerweise mit der niedrigsten Frequenz betreiben,
sie aber bei Spitzen in der Rechenleistung erhöhen sollte. Beim
Lauf unserer Benchmarkprogramme sollte man nun auch mit solchen erhöhten
Leitungsanforderungen rechnen, die Ergebnisse lagen aber immer nur
auf Normal- oder Stromsparniveau. Wir führten natürlich
nach jedem Umschalten der Taktfrequenz einen Softreset durch, die
automatische Anpassung funktionierte aber auch nicht besser. Es gibt
in jedem Pocket-PC - und auch in großen PCs - ein Nadelöhr,
das den Rechner bremst: Der hoch getaktete Prozessor muss oft warten,
bis der niedriger getaktete Arbeitsspeicher Daten bereitstellt. Dies
wird mit so genannten Cache-Speichern behoben. Das sind Speichereinheiten,
die wesentlich schneller arbeiten können als der normale Arbeitsspeicher,
dafür aber nur die häufig benötigten Daten zwischenspeichern.
Stromverbrauch und Preis sind wesentlich höher als bei normalem
Speicher, weswegen nach wie vor nur kleine Cachespeicher verbaut werden.
In den Prozessor sind regelmäßig kleine Cacheelemente eingebaut,
die vom Betriebsystem und der Software auch munter benutzt werden,
das ist bei jedem Pocket-PC so. Der Zayo besitzt einen zusätzlichen
Cachechip zwischen Prozessor und dem normalen Arbeitsspeicher. Wenn
man diesen zuschaltet, wird der Rechner tatsächlich etwas schneller.
Der Hersteller weist aber daraufhin, dass der Rechner damit eventuell
instabiler werden kann - man darf sich also über einen gelegentlichen
Absturz nicht ärgern. Während unserer Tests des Seriengerätes
und eines Vorserienmodells in Ausgabe 9-10/2002 kam es aber zu keinerlei
Fehlern bei aktiviertem Zusatzcache. In den Asus Systemeinstellungen
wurde dieser Punkt "Advanced Performance Enhancement" übrigens
übersetzt in "Erweiterte Leistungs-Verbesserungen",
was sich nicht weniger schrecklich anhört.
Energie!
Im Zayo steckt ein 4,44 Wattstunden großer Lithium-Ionen-Akku.
Dieser wird immer geladen, wenn der Rechner in der Dockingstation
steckt. Alternativ kann man auch den Anschluss des Steckernetzteils
direkt mit dem A600 verbinden. Der Akku ist fest eingebaut, der Anwender
kann ihn nicht selbst wechseln. Eine Notbatterie sucht man vergebens.
Statt dessen muss man darauf vertrauen, dass der Rechner sich früh
genug selbst abschaltet, damit genug Restenergie in den Akkus bleibt
bis zur nächsten Steckdose. Wie bei den früheren iPaqs kann
man die Menge der Restenergie nicht beeinflussen. In unseren Test
überstand der Rechner aber zumeist ein Wochenende.
Der Hersteller bewirbt den A600 mit einer Laufzeit von 15 Stunden,
die - wenn überhaupt - nur ohne Hintergrundbeleuchtung erreicht
wird. Wir halten solche Angaben beziehungsweise Messmethoden für
realitätsfern: 15 Stunden entsprechen beispielsweise 30 Tage
je 30 Minuten. Das halten wir aber für unrealistisch, hier ist
die Akkuselbstentladung wahrscheinlich größer als der echte
Stromverbrauch. Was ist also praxisgemäß? Die stundenlange
Nutzung während Konferenzen zum Anfertigen von Notizen, das Verfassen
von Texten in Flugzeugen, gerne auch mal ein einfaches Spiel bei Langeweile
während einer unsinnigen Pressekonferenz - das sind wohl die
für den Akku anspruchvollsten Einsatzbereiche, weil sie alle
mit einer dauerhaften Nutzung bei eingeschalteter Hintergrundbeleuchtung
verbunden sind. Und genau darum messen wir die Laufzeit nur mit eingeschalteter
Beleuchtung.
Wir haben die Laufzeit in zwei Prozessormodi getestet. Zum einen wollten
wir natürlich wissen, wie lange der A600 bei höchster Geschwindigkeit
läuft, und anschließend prüften wir die maximale Laufzeit
bei niedrigster Prozessorfrequenz. Maximale Geschwindigkeit entspricht
natürlich 400 MHz Taktfrequenz mit Zusatzcache und minimale bedeutet
für uns 100 MHz ohne Cache. Im erstgenannten Modus lief unser
Rechner 265 + 146 Minuten, ein recht guter Wert.
Etwas enttäuscht waren wir von der Laufzeit im "Stromspar"-Modus.
Hier lief der Rechner zwar länger, aber mit 313 + 132 Minuten
betrug der Unterschied nur eine gute halbe Stunde.
Software
Serienmäßig sind in den Zayo natürlich die typischen
Microsoft -Anwendungen fest eingebaut: Pocket Word, Pocket Excel,
Pocket Internet Explorer und natürlich alle Pocket -PC-Versionen
der Outlook-Anwendungen. Das sind die "Unter"-Programme
Kalender, Aufgabenverwaltung, Notizen, Kontakte und die E-Mail-Verwaltung
"Posteingang", die so heißt, obwohl man damit auch
E-Mails verschicken kann. Auf CD liegt für den großen PC
"Outlook 2000" und das Synchonisationsprogramm "ActiveSync
3.5" bei.
Für mehr Software hat es nicht mehr gereicht, was uns eigentlich
verwundert. Zumindest die typischen Demoversionen, die andere Hersteller
mit auf Ihre CDs packen, sollte Zayo ja auch auf die CD pressen dürfen.
Wir wissen aber aus Umfragen, dass kaum ein Pocket-PC-Anwender auch
wirklich die Softwarebeigaben auf beiliegenden CDs nutzt. Insofern
ist das Vorgehen von Zayo nur konsequent. (Gerhard Bauer)
FAZIT
Der Hersteller war konsequent bis ins letzte Detail: Weil ein tragbares
kleines Gerät mehr schädlichen Einflüssen ausgesetzt
ist als ein Desktop-PC hat man ihn in ein widerstandsfähiges
und abriebfestes Metallgehäuse gepackt. Weil die sonst mitgelieferte
Software nur in den wenigsten Fällen genutzt wird, hat man gleich
ganz drauf verzichtet. Und weil der Prozessor nicht nur mit 400 MHz
arbeiten kann, sondern auch mit 100 MHz, hat man diese Reduzierung
zu Gunsten einer längeren Laufzeit ebenfalls mit eingebaut.
Ein gefälliges Äußeres, sehr hohe Geschwindigkeit
und kleine Abmessungen: Der Zayo A600 hat sich in unseren Tests als
ein sehr guter Pocket-PC erwiesen.